Backs, Hütten, Pöttkes und Co.
Ochtrup -  Alte Beinamen, meist in plattdeutscher Sprache, haben in Ochtrup eine zum Teil jahrhundertelange Tradition. Manchmal lässt sich herausfinden, warum eine Familie einen bestimmten Hausnamen trägt, oft bleibt es aber auch ein Geheimnis.  Von Irmgard Tappe In seinem Personalausweis steht: „Werner Kockmann“, aber alle nennen ihn „Backs Werner“. „Meine Ur-Ur-Ur-Ahnen“, erzählt der Welbergener, „wohnten in einem Heuerhaus bei Kauling Buer, das sie auch als Backhaus nutzten. Also nannte man die Bewohner dieses Hauses kurz ,Backs‘. Alle Abkömmlinge meiner Vorfahren trugen fortan diesen Beinamen. Und das hat sich glücklicherweise bis zu meiner Generation durchgesetzt“, ist Backs Werner stolz auf seinen alten Namen.



Alte Familiennamen sind sein Steckenpferd: Heinrich Stücker durchforstet Archive, Katasterkarten und alte Kirchenbücher. Foto: Irmgard Tappe

In ländlichen Gegenden hatte in früheren Jahrhunderten nahezu jedes Anwesen einen speziellen „Hausnamen“, der oftmals Generationen überdauerte. Wenn dieser Name genannt wurde, wusste jeder im Dorf oder in der Bauerschaft, von wem die Rede war. Das hat auch Paul Dankbar erfahren, den manch älterer Ochtruper Poalbüörger noch immer „Hütten Paul“ nennt. Sein Sohn Thomas hat sich mit Ahnenforschung beschäftigt und herausgefunden, dass die Dankbar-Linie aus der Wester-Bauerschaft seit Generationen „Hütten“ genannt wird. „Das lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen“, erzählt Thomas Dankbar. Seinen Ursprung habe dieser Name offensichtlich in Wettringen-Bilk. Aber was der Auslöser für die Bezeichnung „Hütten“ war, das hat Thomas Dankbar trotz intensiver Recherchen bis dato nicht herausgefunden. Doch dem Unternehmer ist wichtig, dass der alte Familienname auch bei der Nachwelt nicht in Vergessenheit gerät. Deshalb hat er für seine GmbH die Bezeichnung „Hütten-Holding“ gewählt.

Antonius Brinkschmidt, genannt „Wöden Türns“, ist ebenfalls mit dem Bewusstsein aufgewachsen, dass der Name „Wöden“ für seine Familie steht. „Wenn ich früher als Kind beim Bäcker Brot abholte, sagte ich immer ‚Brot für Wöden’. Hätte ich unseren richtigen Hausnamen gesagt, dann hätte die Verkäuferin wahrscheinlich komisch geguckt“, sagt der Welbergener, in dessen Heimatgemeinde alte Bezeichnungen zum gegenwärtigen Sprachgebrauch gehören. „Viele Familien wurden nach dem Gebiet benannt, in dem sie ihre Gehöfte hatten“, hat Heinrich Stücker festgestellt. Die Analyse alter Familiennamen ist sein Steckenpferd. Archive, Katasterkarten und alte Kirchenbücher dienen dem Welbergener als mögliche Quellen. Vorrangig beschäftigt er sich mit den Hausnamen in seinem Wohnort. Er faltet die Kopie einer Kreiskatasterkarte von Welbergen anno 1827 auseinander. Der Hof Nagelsmann liegt auf dem Flurstück „Up de Noddeln“. Das müsste der Grund sein, warum diese Familie Noddels genannt wird. Andere Hausnamen wurden von den Berufen abgeleitet, was die Bezeichnungen Schnieders, Timmers, Schusters, Gaöners oder Fättkesgerds belegen. Letzterer Name soll entstanden sein, weil ein Ahne mit dem Vornamen Gerhard spezielle Fässchen aus Holz anfertigte.

Bei Familie Barkling, genannt Schläßen, ist der alte Hausname eine Abwandlung von Sleens. „Der Eigentümer unseres Hofes war Anfang des 19. Jahrhunderts ein Sleens. Das geht aus einem Dokument vom Kreiskatasteramt hervor. Später hat man daraus vermutlich die plattdeutsche Bezeichnung „Schläßen“ gemacht“, erzählt Michaela Barkling. Die Langenhorsterin Resi Westphal, deren Vorfahren als „Pöttkes“ bekannt waren, kennt den Ursprung dieses Namens aus mündlicher Überlieferung. „Wenn mein Uropa als Kiepenkerl mit Töpfen übers Land zog, sollen die Leute gesagt haben: ‚Doar kümp de Pöttker’“, berichtet sie. Nicht nur der Uropa, sondern alle weiteren Familienmitglieder wurden „Pöttkes“ genannt. Das, so Westphal, habe sich bis zur Generation ihrer Eltern durchgesetzt. Wer in Lan­genhorst aufgewachsen war, nannte ihren Vater „Pöttkes Heini“ anstatt Heinrich Lütkehermöller. Es gäbe noch viele Beispiele alter Hausnamen in und um Ochtrup. Bei einigen sind ihre Wurzeln bekannt, andere lassen sich nicht entschlüsseln. Insgesamt betrachtet sind all diese Bezeichnungen jedoch Zeugnisse der Urwüchsigkeit der plattdeutschen Sprache. Mit dem Rückgang dieser Mundart aber geraten sie immer mehr in Vergessenheit.

Quelle: http://www.wn.de   > 29.08.2015

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