Wäschekörbe voller Totenzettel warten
Alfons Nubbenholt leitet kreisweite Gruppe, die die Erinnerungen an Verstorbene sammelt

-Joe- KREIS BORKEN/ AHAUS. Vor Alfons Nubbenholt liegt ein dickes Album. Auf den ersten Blick ein Fotoalbum. Doch der Ahauser sammelt darin Totenzettel.
Der 55-Jährige leitet die kreisweile Totenzettel-Gruppe der Heimatvereine. Stolze 128.044 solcher Zettel haben Nubbenholt und seine Kollegen für den Kreis Borken schon einsortiert und archiviert. Dazu kommen Wäschekörbe voll weiterer, die auf Halde liegen und darauf warten, aufgearbeitet zu werden. Wie die 780 Heidener Totenzettel, die Nubbenholt aus einem Osnabrücker Nachlass erhielt.
Ich versuche, zunächst die Sachen zu erhalten. Dann suche ich vor Ort Mitstreiter, die das Archivieren übernehmen", sagt der Verpackungs-Entwickler. 29 Heimatvereine im Kreis Borken beteiligen sich an der Toten-Zettel-Gruppe.


Alfons Nubbenholt koodiniert die Arbeit von fast 30 Heimatvereine zum Thema "Totenzettel"    Foto: Rupert Joemann


Noch gibt es einige weiße Flecken. Hinzu kommen Coesfeld und Herbern. Es war immer geplant, sich nicht auf den Kreis Borken zu beschränken", erklärt Alfons Nubbenholt. Schließlich gibt es gerade in den Randbereichen viele familiäre Bande über die Kreisgrenzen hinweg. Die Totenzettel sind eine hervorragende Grundlage für die Ahnenforschung.

Alfons Nubbenholt koodiniert die Arbeit von fast 30 Heimatvereine zum Thema "Totenzettel" Foto: Rupert Joemann

Doch die Heimatforscher beschränken sich nicht nur auf die Totenzettel. Todesanzeigen und Standesamtsnachrichten sind weitere Quellen. Irgendwie alles, was öffentlich zugänglich ist. 21.630 Todesanzeigen liegen den Sammlern mittlerweile vor. Alfons Nubbenholt schleppt ein paar alte Telefon- und Adressbücher heran. „Ich sammle auch Telefon-CDs." Dass er eine Person nicht finde "das gibt es praktisch nicht", sagt er schmunzelnd.

Einige Heimatvereine, wie zum Beispiel Stadtlohn und Vreden waren schon besonders erfolgreich. Auf rund 90 Prozent der Totenzettel schätzt Nubbenholt die Stadtlohner Sammlung. In Ahaus ist die Zahl deutlich niedriger. Das hat geschichtliche Gründe. "In Ahaus ist die Struktur nicht so gewachsen", sagt der 55-Jährige. Dort leben viele Protestanten, bei denen es keine Totenzettel gibt. Außerdem viele Holländer, Vertriebene und aus dem Ruhrgebiet Zugezogene.

Georg Weitenberg (Stadtlohn) führt die Daten der einzelnen Heimatvereine in einer Datei zusammen, auf die wiederum alle Heimatvereine Zugriff haben. So ist eine Vernetzung der Informationen gegeben. Geplant ist, dass die Mitglieder irgendwann ihre Daten im Internet in das gemeinschaftliche System einpflegen. Das erspart Arbeit. Schade findet Nubbenholt, dass immer weniger Totenzettel hergestellt werden.

"Die Anonymitat nimmt zu. Das ist der Zahn der Zeit."

Oft sei das auch ein Kostenfaktor, so der 55-Jährige. Bereits in den 1960/70er-Jahren wurden Totenzettel sehr sparsam verteilt. Das war früher ganz anders. Damals standen auch viel mehr Informationen über den Angehörigen auf den kleinen Zetteln. Neben den Lebensdaten auch Heiratsdatum, Kinderzahl oder auch schon mal der Zusatz "zwei Kinder sind der Mutter vorangegangen". Poahlbürger, so Nubbenholt, hätten viel Wert auf den Beruf des Verstorbenen gelegt.

Nicht ganz so wichtig waren offensichtlich die Angaben bei verstorbenen Frauen. "Da findet sich häufig nicht mal mehr der Geburtsname der Frau wieder." Oft wurde in der ersten Zeile nur "Ehefrau von . . ." geschrieben, der Vorname der Verstorbenen stand erst in der zweiten Reihe. Nubbenholt: "Das ist auch ein Beleg Tür die Stellung der Frau."
Mittlerweile, so hat der Ahauser festgestellt, "werden Bilder wieder modern".

Man versucht jetzt, Beerdigungsinstitute zu sensibilisieren und ihnen Gestaltungsvorschläge zu machen. Auch bitten die Heimatforscher die Institute, Totenzettel und Todesanzeigen zu sammeln. Das erleichtert den Historikern die Arbeit. Denn bei 128.044 Totenzetteln soll es nicht bleiben. Dafür kaufen sich Allons Nubbenholt und seine Mitstreiter auch noch gerne neue Alben.

Quelle:
Münsterland Zeitung 06.03.2015

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nehmen wir ständig weitere Totenzettel an jedem Heimatverein entgegen.
Nach der digitalen Erfassung, werden sie schnellstmöglich zurückgegeben.

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