Er soll mit der Queen verwandt sein. Was aber ist mit den „kleinen Leuten“ im Stammbaum von Hape Kerkeling? Antworten gibt es in Legden und Asbeck.
 
Rudolf van Wüllen (*1948) und Gerhard Schulze Hauling (*1951) sind zwei Männer, die auf ganz unterschiedliche Weise mit der Familie Kerkeling verbunden sind. In der Schreinerei van Wüllen in Asbeck beginnt Hape Kerkelings Vater Karl-Heinz (*1927) noch während des Zweiten Weltkriegs eine Tischler-Lehre. Das ist 1943. Auch als Geselle bleibt er zunächst noch einige Jahre in Asbeck – bis 1948.
Zwei Männer mit ganz unterschiedlichen Verbindungen zur Familie Kerkeling: (v.l.) Rudolf van Wüllen und Gerhard Schulze Hauling. FOTO Christiane Hildebrand-Stubbe

 

Beim Hof Schulze Hauling liegt für mehrere Generationen das Zuhause der Familie Kerkeling. Auf einem der vier Kotten des Hofes wird auch Hermann Anton Kerkeling, Hapes Großvater, 1901 geboren. Allerdings ist der Familienname Kerkeling im Ort lange Zeit kaum bekannt. Ganz selbstverständlich werden die Bewohner mit dem Namen des Kottens angesprochen: Aus Kerkeling wird die Familie Wigger.

Verbindungen nach Legden bleiben
Schon als junger Mann zieht es Hermann Kerkeling ins Ruhrgebiet. Dort heiratet er 1926 Berta Sättler und gründet mit ihr in Scherlebeck bei Recklinghausen eine Familie. Zwei Kinder werden geboren: Anna Maria (1925) und Karl-Heinz Kerkeling (1927), der Vater von Hape. Die verwandtschaftlichen Beziehungen nach Legden bleiben. Einige der insgesamt acht Geschwister von Großvater Hermann leben weiter auf dem Haulingschen Kotten.

Familiäre Verbindungen gibt es auch zwischen van Wüllen und den Kerkelings. Am 1. Mai 1943 tritt Karl-Heinz Kerkeling in Asbeck seine dreijährige Lehrzeit bei van Wüllen an. Der Lehrvertrag trägt nicht nur seine Unterschrift. Weil Karl-Heinz minderjährig ist, unterschreibt auch seine Mutter Berta. Rudolf van Wüllen hat das Original in den Geschäftsunterlagen gefunden und gesichert.

Der Lehrvertrag, der die Unterschrift von Berta Kerkeling trägt FOTO Privat

Das Dokument erzählt nicht nur etwas über Karl-Heinz Kerkeling, sondern auch über die Arbeitsbedingungen von Lehrlingen in dieser Zeit. Der Lohn: vier Mark im ersten, sechs Mark im zweiten und acht Mark im dritten Lehrjahr – jeweils monatlich. Der Urlaub: 15 Tage im ersten, jeweils zwölf Tage im zweiten und dritten Jahr.

Auch klare Vorgaben zum Verhalten sind festgehalten. Im Vertrag heißt es: „Der Lehrling ist der väterlichen Zucht des Lehrmeisters unterworfen und dem Lehrmeister sowie demjenigen, welcher anstelle des Lehrmeisters die Ausbildung zu leiten hat, zu Folgsamkeit und Treue, zu Fleiß und ständigem Betragen verpflichtet.“

Nach einem intensiven Arbeitstag schlägt Lehrling Kerkeling auf dem Kotten der Familie sein Nachtquartier auf. Bei einem Familienmitglied, das er Opa nennt und das ein Bein verloren hat. Rudolf van Wüllen erinnert sich an eine Erklärung, die Karl-Heinz Kerkeling später dafür gegeben habe: „Genau deshalb habe er es bei dem so gemütlich gefunden, weil er mehr so Platz im Bett gehabt habe.“

Mit dem Namen Kerkeling kann Rudolf van Wüllen zunächst wenig anfangen. „Opa Wigger“ kennt er wohl. Aber Kerkeling? Das ändert sich erst allmählich, als regelmäßig ein Mann dieses Namens nach Asbeck kommt – meist in Begleitung eines Kindes, später eines Jugendlichen. Er besucht seinen alten Ausbildungsplatz und erinnert sich begeistert an viele Begebenheiten aus seiner Lehrzeit.

Eine Erinnerung führt zum ehemaligen „Strohlager“. Dort baut Karl-Heinz Kerkeling zusammen mit Rudolf van Wüllens Onkel Bernhard ein Boot, das später auf dem Asbecker Mühlenteich zu Wasser gelassen wird.

Karl-Heinz Kerkeling in dem selbst gebauten Boot auf dem Mühlenteich FOTO Privat

Erst im Laufe der Jahre wird Rudolf van Wüllen klar, dass der ehemalige Lehrling bei van Wüllen der Vater eines echten Promis ist. Einmal bringt Karl-Heinz Kerkeling das Buch seines Sohnes „Ich bin dann mal weg“ mit. „Eine Kundin im Laden war beeindruckt, dass wir es mit so berühmten Menschen zu tun haben“, erinnert sich Rudolf van Wüllen. Heute bedauert er, damals nicht um eine Widmung und ein Autogramm gebeten zu haben.

Als er Hapes legendären „Staatsbesuch“ als Königin Beatrix im Fernsehen sieht, erkennt er den Auftritt zunächst nicht als Satire – und fürchtet um Hapes Leben: „Ich habe wirklich gedacht, der wird gleich erschossen.“

Nach einigen Jahren hören die regelmäßigen Besuche von Karl-Heinz Kerkeling in Asbeck plötzlich auf. Wann genau das war, weiß Rudolf van Wüllen nicht mehr. Karl-Heinz Kerkeling stirbt 2018.

Erinnerungen auf dem Haulingschen Kotten
Auch Gerd Schulze Hauling bewahrt Erinnerungen an die Familie. Sein Vater habe Hape Kerkelings Karriere einmal so kommentiert: „Das wundert mich nicht, die Kerkelings waren ja intelligente Leute.“

Wann im Haulingschen Kotten schließlich keine Kerkelings mehr wohnten, weiß Gerd Schulze Hauling nicht. An einzelne Begebenheiten erinnert er sich aber gut. Etwa daran, dass sein Vater mit einem Familienmitglied im Kotten am Herdfeuer sitzt und sich unterhält. Einfach scheint das nicht gewesen zu sein: „Der alte Herr war offenbar schwerhörig, und die Kommunikation lief über ein Hörrohr.“

Auch davon, dass Schüler Hape seine Ferien bei der Tante aus der Familie Sicking im Eißingort verbringt, weiß Gerd Schulze Hauling.

Näher kommt er den Kerkelings vor rund zehn Jahren. Bei einem Gang mit einem Förster durch den Wald rund um den Hof trifft er zufällig auf ein Ehepaar. Der Mann stellt sich als Hapes Vetter Reinhard heraus, Sohn von Karl-Heinz’ Schwester Anna.

Begegnungen mit dem Vetter
Es gibt viel zu erzählen. Denn von der Legdener Vergangenheit der Familie Kerkeling ist zu diesem Zeitpunkt selbst den Verwandten nur wenig bekannt. Über E-Mail-Kontakt entsteht ein weiterer Austausch. Zu einem Besuch Hapes auf dem Hof Schulze Hauling, dem ehemaligen Kotten seiner Familie, ist es bislang nicht gekommen. Auch das Haus van Wüllen hat er nicht besucht.

In seiner bemerkenswerten Rede zum 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald spricht Hape Kerkeling nicht nur über die KZ-Inhaftierung seines Großvaters Hermann, sondern auch über die Verbindung zu Legden.

Vermutlich gibt es in dieser Familiengeschichte noch deutlich mehr zu entdecken.

 

 

Münsterland Zeitung Legden 27. August 2026 //  Christiane Hildebrand-Stubbe Redakteurin

 

 

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