Es ist die berühmte „Spurensuche“, die ein junge Frau aus Brasilien nach Legden führt.An den Ort, der vor fast 200 Jahren die Heimat ihrer Vorfahren war.
Amanda und René bei ihrer Spurensuche in Legden. FOTO Privat

Es ist kurz vor Ostern, als Amanda Blasius (geb. Rohling) und ihr Mann Legden erreichen. Eine Etappe auf seiner Europa-Rundreise. Von Amsterdam aus steuert das Paar im Mietwagen das Dahliendorf an. Mit einem ganz klaren Anliegen im Gepäck: Die junge Frau möchte herausfinden, wo und wie ihre Verwandtschaft gelebt hat. Sie schreibt dazu: „Ich habe mich schon immer tief der Ahnenforschung verbunden gefühlt. Legden war eine Möglichkeit, meinen Wurzeln näher zu kommen.“ Und, so ihre Hoffnung, „eine Verbindung zu spüren, die über das hinausgeht, was man mit Worten ausdrücken kann.“

Als erste Adresse, um das herauszufinden, wird die Kirche angesteuert, in der Amandas Vorfahren getauft worden sind. Ein zutiefst bewegendes Gefühl, sagt sie. Immer wieder begegnen dem Paar viele freundliche Menschen, die „bereit sind, anzuhalten, zuzuhören und uns bei der Suche nach Antworten zu helfen“. Schließlich ist es Heinz Kroschner vom Heimatverein, der sehr viel mehr weiß über die familiäre Vergangenheit der jungen Frau.

Es geht um eine Familie Rohling, mit oder ohne „h“, so ganz sicher ist sich Amanda da nicht. Mitglieder ihrer Familie mit diesem Namen sollen nach Brasilien ausgewandert sein. Heinz Kroschner aber weiß, wo er nachschauen muss und wird in der Auswandererkarte fündig. Die komplette Familie Rohling hat sich 1861 aufgemacht, um auf dem anderen Erdteil ihr Glück zu finden. Das sind die Eltern mit vier Söhnen und einer Tochter sowie dem verwitweten Großvater.

Eines der Fotos von den "Nachwirkungen" der deutschen Auswanderer, die Amanda Heinz Kroschner per Mail geschickt hat. FOTO Privat

Spannende „Ausgrabungen“
Was Kroschner auch herausfindet: Die Rohlings bewirtschafteten bis zu ihrer Abreise einen kleinen Kotten in der Bauerschaft Wehr (Nr. 14). Anschließend sind noch verschiedene andere Nutzer dokumentiert, bis schließlich der Hof nach und nach in Besitz der Nachbarn übergeht. Von den ehemaligen Gebäuden ist nichts mehr erhalten, statt Kotten ist dort nur noch Ackerland zu sehen.

Und Hermann Terhörst, der immer wieder tief in der Geschichte seines Ortes „gräbt“, weiß noch mehr: Nach wie vor spricht man nämlich von „Rohlings Funnen“, einer kleinen Furt, die vom Dorf über die Dinkel gerade auf den Kotten zuführte.

Die Rohlings reihen sich ein in eine große Zahl von Auswanderern aus Legden und Asbeck im 19. Jahrhundert. Hauptsächlich ging es nach Amerika - in „das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.“

Das alles kann Heinz Kroschner den „Brasilianern“ erzählen und sie auch mitnehmen zu den Orten, wo die Rohlings früher gelebt haben. Amanda: „In diesem Moment fühlte es sich nicht mehr so an, als wären wir an einem fremden Ort. Es gab ein Gefühl der Vertrautheit und Zugehörigkeit - als wäre ich irgendwie an einen Ort zurückgekehrt, der bereits ein Teil von mir war.“

Intensiv haben sie sich auch mit den Gründen befasst, die Amandas Vorfahren nach Brasilien führten. Vor allem wirtschaftliche Schwierigkeiten veranslassten auch sie zur weiten Reise auf den anderen Kontinent. Auf der Suche nach Glück am anderen Ende der Welt.

Notlage und großer Mut
Amanda formuliert es so: „Wir glauben, dass ihre Reise sowohl von der Not als auch vom Mut geprägt war. Dem Mut, alles hinter sich zu lassen auf der Suche nach etwas Ungewissem, das jedoch voller Möglichkeiten war.“

Johann und Anna Rohling sind aus Legden nach Brasilien ausgewandert. FOTO Privat

Für Amandas Vorfahren war es der Bundesstaat Santa Catarina im Süden, „wo sie aus dem Nichts ein Leben aufbauten, hauptsächlich in der Landwirtschaft“. Eine Verbindung, die geblieben ist. Noch heute sei ein Teil der Familie in der Landwirtschaft tätig.

Außerdem sei der deutsche Einfluss, den die Auswanderer hinterlassen haben, noch heute an vielen Stellen spürbar: „In den Traditionen, in der Küche, der Architektur und in manchen Gemeinden sogar in der Sprache.“

Inzwischen sind Amanda und René nach ihrem Europa-Trip wieder zurück in Brasilien. Was aber haben sie mitgenommen von ihrem Abstecher in die Vergangenheit?

Zum Beispiel das: „Wir erzählten, wie tief uns die Menschen beeindruckt haben, ihre Freundlichkeit, ihre Hilfsbereitschaft und die Art, wie sie uns aufgenommen haben. Es war etwas ganz Besonderes, das wir für immer in uns tragen werden.“

So sehr, dass sie beschlossen haben, Deutsch zu lernen, „um uns noch stärker mit unseren Wurzeln zu verbinden.“ Und: „Wir hoffen auch, in Zukunft wiederzukehren, insbesondere, um das traditionelle Blumenfest mitzuerleben.“

08.05.2026 Münsterland Zeitung / Legden

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