Amerikaner auf Spurensuche in der Heimat ihrer Vorfahren
Stadtlohn. Erneut empfing Hermann Hintemann Besuch aus den USA von Nachfahren von Auswanderern aus der Region. Bei seinen aktuellen Forschungen halfen auch eine Portion Glück und der Zufall.

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Auf Spurensuche begab sich die Gruppe auch in Estern bei den Weitenbergs (v.l.): Cordula Weitenberg, Georg Weitenberg, Georg Palmüller, Judy Yeast,Theresa Bockhold, Dave Bockhold, Cathy Hildebrand, Larry Hildebrand, Hermann Hintemann und Melissa Telles. Es fehlt Nancy Myers. FOTO PRIVAT

Etwas überrascht war Hermann Hintemann schon: Per Mail erreichte ihn jüngst recht kurzfristig die Nachricht, dass ich weitere Nachfahren von USA-Auswanderern aus der Region im 19. Jahrhundert auf Spurensuche begeben wollten. Auf die Spuren gleich zweier Auswandererfamilien.

Spuren, die die Vorfahren von Gescher über Stadtlohn bis hin nach Legden, Wüllen und Heek hinterließen. Folglich gab es einiges zu organisieren. „Hat alles geklappt“, berichtet der Stadtlohner Heimatforscher. Und es sei hier und da auch sehr emotional geworden.

Seit Jahren beschäftigt sich Hermann Hintemann mit dem Thema Auswanderung in Richtung USA im 19. Jahrhundert. Der Stadtlohner wälzt dazu Kirchenbücher, als Basis für seine Forschungen dient ihm vor allem ein Werk von Michael K. Brinkman: In dessen Buch hat der Historiker, der selbst von Einwanderern aus Heiden im Kreis Borken abstammt, die Geschichte der Emigration im 19. Jahrhundert am Beispiel der Stadt Quincy im US-Bundesstaat Illinois aufgeschrieben.

Insgesamt sind es 1456 Personen, deren Herkunft er aus dem Münsterland dokumentieren konnte. Jeweils mit kleinen Steckbriefen. Hinweise gab es auch zu zwei Familien, deren Nachfahren nun die Heimat dieser besuchten. 1856 wanderte Anna Maria Christina Tuebber (Tübber, Tueber) vom damaligen Hof in Estern (heute Weitenberg) aus. Ein Pachthof des Pastorats Wüllen, wie Hintemann erklärt. Georg Weitenberg ist bekanntlich selbst ein engagierter Familien- und Ahnenforscher.

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Station machte die Gruppe auch auf dem Hof Bockhold in Heek. FOTO PRIVAT

Besuche auf den Ur-Höfen der Vorfahren
Geheiratet habe sie Gerhard Bernard Henry Maas aus Tungerloh-Pröbsting, dies erst 1859 in Illinois. Insgeamt 16 Kinder bekamen sie, so zeichnen es die Ahnentabellen nach. Beide Ur-Höfe wurden während der beiden Besuchstage besucht. Von der Familie Maas seien seinerzeit gar alle Mitglieder ausgewandert. „In Quincy gibt essogar eine Maas Road“, berichtet Hintemann. Quincy war das bevorzugte Ziel besonders für Münsterländer. Man spricht sogar von der „plattdeutschen Prärie“.

Über viele Jahrzehnte im 19. und zu Anfang des 20. Jahrhundert entwickelte sich ein reiches kulturelles Leben nach deutschem Vorbild und in deutscher Sprache. Es gab deutsche Kirchengemeinden, Schulen und Vereine. Viele Deutsche wanderten seinerzeit aus, da der viele Regen vor allem die Kartoffelernten vermieste, auch die Produktion von Baumwolle darbte vor sich her. Kurz: Die Not war groß und die USA galten als das gelobte Land.

Ortswechsel: Nach Legden, Wüllen und Heek führten die Spuren von Auswanderern der Familie Bockhold. Dabei wurde Hermann Hintemann zwischenzeitlich „auf eine falsche Fährte gelockt“, erklärt er und lacht: „In den USA wurde eine Verbindung der Familie Bockhold mit der Stadt Bocholt hergestellt.“ Letztlich waren es wie so oft eine Portion Glück und der Zufall, die ihm halfen. Über Ludgerus und die gleichnamige Kirche in Heek kam er auf die Dinkelgemeinde. Dort ist der Name Bockhold heute noch verbreiet.

Irgendwie seien die Mitglieder der Familien Bockhold und Maas Tueber damals alle miteinander verwandt gewesen, erklärt Hermann Hintemann. Forschungsergebnisse werden überreicht Begleitet wurde die Reisegruppe erneut von Nancy Myers und Georg Palmüller vom Ahnenforscherstammtisch Unna. Bei den Besuchen der Ur-Höfe sei er immer wieder gefragt worden, warum die Familien bei so viel Schönheit überhaupt ausgewandert seien. „Ich muss denen dann immer erklären, dass wir hier vor 200 Jahren auf dem Land arm waren“, so der Stadtlohner.

Seine gesammelten Forschungsergebnisse gibt er jedem Nachfahren übrigens mit auf den Weg. „Einfach auf einem USB-Stick.“ Noch lange sind diese nicht abgeschlossen. „Für mich beginnt jetzt erst die Arbeit“, sagt Hermann Hintemann. Nach dem Besuch ist eben immer vor dem Besuch. Und dies vor dem Hintergrund, dass allein aus der näheren Umgebung hunderte Deutsche seinerzeit in Richtung USA ausgewandert waren.

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Unter anderem mithilfe von Kirchenbüchern forscht Hermann Hintemann zum Thema Auswanderer. FOTO SCHLEY

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