In vielen Familien sind Briefe und Postkarten erhalten, die im Krieg von Soldaten geschrieben wurden. Diese Selbstdokumente sind Zeugnisse aus dem Kriegsalltag, die wie Tagebücher Stimmungen wiedergeben aber auch das Geschehen aus der Perspektive des direkt Betroffenen schildern. Es sind für Historiker und Soziologen wertvolle kulturgeschichtliche Quellen, die lange Zeit vernachlässigt wurden, denn sie schildern den Alltag, die Mentalität, das Denken und Handeln der einfachen und direkt beteiligten Menschen wieder. Natürlich interessieren sich auch Philatelisten und Sammler von Briefmarken und Ganzsachen für diese Feldpostsendungen, aber da bleiben oft nur die Umschläge erhalten.
 
So gehören auch im Museum für Kommunikation Berlin der Museumsstiftung Post und Telekommunikation neben Postwertzeichen auch über 120.000 Briefe zum Sammlungsbestand. Erst in den 1980er Jahren wurden auch die Inhalte der Briefumschläge als wertvoll anerkannt. Clemens Schwender und Katrin Kilian haben auf Initiative von Ortwin Buchbender im August 2000 in Kooperation mit dem Museum für Kommunikation Berlin ein Projekt „Feldpost-Archiv“ zur Sammlung von Feldpost-Dokumenten aus dem Zweiten Weltkrieg begonnen. Die Lebensdokumente werden gesammelt und aufbereitet, um sie Forschung, Publizistik und der Öffentlichkeit unter Wahrung des Datenschutzes zugänglich zu machen.
 
Da bereits schon das Reichspostmuseum Feldpost aus dem Krieg 1870/1871 gesammelt hat, werden aus dem 18. Und 19. Jahrhundert ca. 100 Briefe vorgestellt, aus dem Ersten Weltkrieg ca. 700 und aus dem Zweiten Weltkrieg etwa 1500 Briefe.
Auf der Webseite Briefsammlungen.de können Sie etwa 3000 historischen Briefe einsehen. Die Soldaten kann man auch teilweise in den Verlustlisten identifizieren, soweit sie verwundet, vermisst oder gestorben waren. Vom Leutnant der Reserve Wolfgang Panzer (1896-1983) im Landwehr Regiment Nr. 56 (verwundet gemeldet am 21.1.1916) am haben sich zahlreiche Briefe erhalten. Er nahm auch am Zweiten Weltkrieg teil und war zuletzt Professor für Geographie in Mainz (Deutsche Biographie).
 

Feldpostbrief von Wolfgang Panzer an seine Eltern (Quelle: https://briefsammlung.de/

In den beiden Weltkriegen wurden jeweils ca. 30 bis 40 Millionen Briefsendungen von und zu den Soldaten befördert. Wenn Sie selbst im Besitz von Briefen sind, bzw. jemanden in Ihrem Verwandten- oder Bekanntenkreis haben, der solche Schriftstücke besitzt und diese historischen Zeugnisse dem Museum übereignen möchte, dann wenden Sie sich bitt an das Feldpost-Archiv im Museum in der Mauerstr. 69-75 in 10117 Berlin (Seiteneingang zur Museumsbibliothek, geöffnet Dienstag bis Donnerstag von 9 bis 17 Uhr).

Die Seite auf Feldpostsammlungen.de nennt zahlreiche weitere Archiv mit Feldpost-Beständen. Bei der Deutschen Digitalen Bibliothek gibt es ebenfalls zahlreiche Nachweise zum Thema Feldpost in verschiedenen Archiven. Das Bundesarchiv-Militärarchiv verwahrt mehrere Hundert Nachlass- und Sammlungsbestände zur deutschen Militärgeschichte aus privater Herkunft. Tagebücher, Erinnerungen oder Feldpost an Familienangehörigen sind wertvolle Ergänzungen zu den amtlichen Bestände. Übrigens: Die Feldpost-Sammler treffen sich zum Thema Feldpost in der heutigen Bundeswehr vom 28.-30.8.2020 in Kahl am Main.

 
 

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