Gäste aus Israel im Stadtarchiv Foto: Peter Berger
Im Lesesaal des Stadtarchiv schauten sich Zohar Cohen Leigh (2. von rechts) und ihr Mann Neil Leigh (rechts) unter anderem erhalten gebliebene Bauzeichnungen an. Empfangen wurden sie von (von links) Leo Bathe, Norbert Fasse und Claudia Biela.
Anhand eines handschriftlichen Registers der Geburten, Trauungen, Scheidungen und Sterbefälle bei der „Judenschaft zu Weseke“ zwischen 1822 und 1873 ließ sich unter anderem das Geburtsdatum von Herz Abraham Cohen ermitteln: 5. Dezember 1827. Die weitere Familiengeschichte des Zweiges, dem Zorah Cohen Leigh angehört, skizziert Fasse so: Ihr Urgroßvater Benjamin Cohen, geboren in Kalkar, zog über Gelsenkirchen und Duisburg-Meiderich nach Berlin. Der Großvater Erwin Cohen, geboren in Berlin, konnte über Dänemark nach Israel emigrieren, trat 1940 in die britischen Mittelmeerstreitkräfte ein, um gegen Hitler-Deutschland zu kämpfen, und geriet in Griechenland in deutsche Kriegsgefangenschaft, die er überlebte. Ihr Vater Aaron Cohen ist in Israel geboren.
Weitere Verwandte ließen sich in den 1920er Jahren in Gemen nieder und flohen vor den Nazis in die Niederlande. Fast alle wurden jedoch deportiert und ermordet – mit Ausnahme des Sohnes Hermann, der nach Kanada hatte emigrieren können, und der Tochter Lotti (Lotte) Cohen (geboren 1920 in Weseke), die die Konzentrationslager Auschwitz und Stutthof sowie den von der SS von dort Richtung Westen organisierten Todesmarsch im Januar 1945 überlebt hatte und zunächst nach Borken zurückkehrte, bevor sie schließlich in die USA emigrierte.
Am Donnerstag führte die Reiseroute dann nach Borken. Die stellvertretende Bürgermeisterin Claudia Biela begrüßte die Gäste im Namen der Stadt, zusammen mit Norbert Fasse, Hartmuth Schlüter-Müller, Hartmut Bringmann, Dr. Leo Bathe (dem Initiator des Gedenkortes in Weseke) und Kerstin Brandt, Lehrerin am Berufskolleg Borken, schloss sich ein angeregtes Gespräch über Vergangenheit und Gegenwart der Erinnerungskultur an. Am Nachmittag wurden die Leighs in Weseke von Ortsvorsteherin Birgitta Niehoff-Elsing begrüßt. Leo Bathe zeigte ihnen, wo einst die jüdischen Familien Frank, Cohen und die Schwestern Rosengarten an der Ballbahn gewohnt haben, und erzählte, wie das Gedenk-Ensemble an der Weseker Pfarrkirche 2015/16 entstanden ist.



