Alfred Janning prägte über Jahrzehnte die Heimatpflege in Legden und im Kreis Borken. Am 26. August ist der langjährige Vorsitzende des Heimatvereins Legden verstorben.
Alfred Janning prägte Legden über Jahrzehnte. Der Heimatpfleger hinterlässt sichtbare Spuren in Vereinen, Archiven, Gebäuden und der Ortsgeschichte. © privat
Legden trauert um Alfred Janning. Sein Engagement für Heimatgeschichte wirkt bis heute nach.
Man konnte Alfred Janning eine Freude machen, wenn man ihm Totenzettel aus
einem alten Gebetbuch mitbrachte. Über Jahrzehnte sammelte er diese Dokumente, ordnete sie und baute daraus eine umfangreiche Datenbank zur Orts- und Familiengeschichte auf. Für Janning waren die kleinen Zettel keine bloßen Erinnerungsstücke, sondern Zeugnisse vergangener Generationen. Diese Leidenschaft für Geschichte prägte sein Wirken in Legden über Jahrzehnte. Alfred Janning, geboren am 02. Dezember 1948, ist am 26. August 2026 verstorben. Mit ihn verliert die Gemeinde einen Heimatpfleger, dessen Arbeit an vielen Stellen bis heute sichtbar ist.
37 Jahre Leiter der Sparkasse
Beruflich war Janning Jahrzehnte bei der Sparkasse Westmünsterland tätig, von 1976 bis zum Eintritt in den Ruhestand 2013 als Filialdirektor der Geschäftsstelle in Legden. Vor allem aber machte er sich durch sein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement einen Namen. 1983 übernahm er den Vorsitz des Heimatvereins Legden. Mehr als drei Jahrzehnte, bis 2014, führte er den Verein. In dieser Zeit entstanden Projekte, die
das kulturelle und historische Leben der Gemeinde bis heute mitprägen.
Grillplatz, Haus Weßling und Spieker
Der Grillplatz Neue Mühle entwickelte sich zu einem Treffpunkt. Das historische Haus Weßling erhielt als Heimatvereinszentrum eine neue Nutzung. Im Dahliendorfspieker entstanden Heimatmuseum und Archiv. Dort wird bis heute Ortsgeschichte gesammelt, bewahrt und vermittelt. Jannings Arbeit beschränkte sich nicht auf Gebäude und Sammlungen. Unter seiner Leitung organisierte der Heimatverein Ausstellungen, Wanderungen, Vorträge und Umweltaktionen. Hinzu kamen zahlreiche Veröffentlichungen zur Ortsgeschichte. Besonders setzte sich Janning auch für den Erhalt der plattdeutschen Sprache ein.
Ansprechpartner für 48 Heimatvereine
Sein Engagement reichte weit über den Heimatverein hinaus. Viele Jahre war er Kassierer des Blumenkorsovereins, engagierte sich im Kolpingwerk und wirkte in weiteren Legdener Vereinen mit. Auch auf Kreisebene übernahm Janning Verantwortung. Zunächst war er stellvertretender Kreisheimatpfleger, ab 2009 Kreisheimatpfleger des Kreises Borken. In dieser Funktion setzte er sich für die Belange der 48 Heimatvereine mit ihren
mehr als 10.000 Mitgliedern ein.
Plattdeutscher Lesewettbewerb
Dabei lagen ihm unter anderem die Arbeitsgemeinschaften für Genealogie, Geschichte, Mundart sowie Vor- und Frühgeschichte am Herzen. Ebenso engagierte er sich für den plattdeutschen Lesewettbewerb. Darüber hinaus arbeitete er im Arbeitskreis Jahrbuch des Kreises Borken, im Fachbeirat der Naturfördergesellschaft und in Gremien des westfälischen Heimatbundes mit. Nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand ernannte ihn der Heimatverein Legden zum Ehrenvorsitzenden.
Große Sammlung an Totenzetteln
Wie sehr Janning die Beschäftigung mit Geschichte im Detail verstand, zeigt seine Totenzettelsammlung. „Man konnte ihm eine Freude machen, wenn man ihm Totenzettel aus einem Gebetbuch mitbrachte“, erinnert sich Heinz Kroschner, der viele Jahre gemeinsam mit ihm im Heimatverein tätig war. Aus der Sammlung entstand eine viel genutzte Datenbank für die Erforschung der Ortsund Familiengeschichte. Der heutige Vorsitzende des Heimatvereins, Gerd Heuser, fasst Jannings Bedeutung so zusammen: „Der Heimatverein und ganz Legden hat ihm viel zu verdanken. Sein Ideenreichtum war schier unerschöpflich, sein Einsatz und Arbeitswille unendlich.“
Dauerhaft sichtbare Zeichen
Was Alfred Janning über Jahrzehnte aufgebaut und angestoßen hat, lässt sich an vielen Stellen in Legden weiterhin sehen: im Haus Weßling, im Dahliendorfspieker, in Archiven, Veröffentlichungen und Sammlungen. Sein Lebenswerk zeigt, wie aus ehrenamtlicher Heimatpflege dauerhaft sichtbare Ortsgeschichte werden kann.
Münsterland Zeitung 17.09.2026 / Legden / Simone Schulze Beikel



