Schwester Aloysianis
alias Catharina Elisabeth Gertrud Tielkes 1893 - 1974
Die Eltern
Joseph Tielkes ist 1861 in Bocholt-Holtwick geboren und heiratete 1890 in St. Georg zu Bocholt, die aus der Nachbarschaft stammende Bernhardine Benning, geboren 1867 in Bocholt-Hemden.
Die Eheleute pachteten 1893 den Kotten Holtwick 28, quasi in direkter Nachbarschaft zum Geburtshaus von Joseph Tielkes.
Katharina wurde am 30.08.1893 in Bocholt-Holtwick als 2. von 10 Kindern der Eheleute Joseph Tielkes und Bernhardine Benning geboren.

Die Familie
Das Bild zeigt die Familie von Katharina Tielkes. Sie selbst ist nicht auf diesem Foto, sowie 2 Geschwister, die im Alter von rund 9 Monaten verstarben.
Werdegang als Krankenschwester 
Katharina verlässt 1907 die Volksschule in Bocholt-Spork. Erst für das Jahr 1914 liegen wieder Unterlagen über ihren Werdegang vor.
Sie besucht 1914 einen Krankenpflegekurs bei den Klemens-Schwestern in Münster im Marien-Hospital und ist danach noch kurzfristig im Marien-Hospital wie auch im Clemens-Hospital tätig.
Ab 01.11.1914 besucht sie als Krankenpflegeschülerin einen einjährigen Kursus an der staatlich anerkannten Krankenpflegeschule des West Sanatoriums in Berlin und legt am 06.11.1915 ihre Prüfung mit der Note „sehr gut“ ab.
Sie tritt in die Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschland ein und wird Kriegskrankenpflegerin.
Der I. Weltkrieg
Ihr ältere Bruder Wilhelm und der jüngere Bruder Bernhard sind Soldaten an der Westfront. Wilhelm gerät in französische Kriegsgefangenschaft. Bernhard musste sein Studium zum Lehrer unterbrechen und an die Front. Er fällt im Alter von 20 Jahren am 03.11.1916 an der Westfront.
Krankenschwester an der Front
Aus dieser Zeit ist noch der Reisepass von Katharina Tielkes vorhanden. Er gibt u.a. einen Einblick in die Reisetätigkeit. Katharina wird am 02.12.1915 nach Wien beordert und tritt ihre Tätigkeit als Rotkreuzschwester in der kaiserlich-königlichen Verwundeten- und Krankenstation in Kolin an. Sie bleibt bis zum 23.04.1916 und wird ins kaiserlich-königliche Flüchtlingslager zu Gemünd, Niederösterreich, versetzt. Dort verbleibt sie bis zum 21.10.1917.
Hier mal ein Blick auf den Reisepass, bestehend aus der Vorder-, Rück- und angehefteter 3. Seite. Interessant ist, der Reisepass gibt darüber hinaus Auskunft, dass sie auch mal einen Erholungsurlaub hatte und sicherlich auch brauchte.
Flüchtlingslager Gemünd
Im Verlauf des 1. Weltkrieges wurden etwa 200.000 Flüchtlinge hier untergebracht, die vor der vorrückenden Front geflohen sind. Rund 30.000 von ihnen starben hier im Lager.
Rückkehr von der Front
Am 22.10.1917 verlässt Katharina das Lager und kehrt in die Heimat, nach Bocholt Holtwick, kurz zurück.
Bereits am 01.11.1917 tritt sie den Dienst in der Provinzial- und Pflegeanstalt Johannistal-Süchteln, heute die LVR Klinik Viersen, an. Damals diente diese Pflegeanstalt auch als Kriegslazarett.
Dort erlitt Katharina bei einem Pflegeeinsatz an einem Soldaten eine komplizierte Unterarmfraktur.
Das bisherige Leben hat sie wohl geprägt und sie tritt am 18.09.1918 in die Ordensgemeinschaft der Schwester von der Göttlichen Vorsehung in Münster ein.
Die Gründe für den Eintritt sind nicht überliefert, nur eins ist bekannt, die Mutter war von diesem Schritt nicht begeistert.
Mit ihrem Eintritt in die Gemeinschaft beginnt sie die Tätigkeit im Blindenlazarett Friedrichsburg in Münster.
Am 10.04.1919 erfolgte die Einkleidung in der Ordensgemeinschaft.
„Spanische Grippe“ - Familientragödie
1918 - 1920 grassiert die „Spanische Grippe“.
Nach Familienüberlieferung starben innerhalb von kurzer Zeit 3 Personen aus der Familie Tielkes.
23.02.1920 Bernhard Tielkes, Onkel von Katharina
24.02.1920 Joseph Tielkes, Vater von Katharina
28.02.1920 Johann Tielkes, Bruder von Katharina
Sie wurden in einer 5er Gruft auf dem Bocholter Friedhof an der Blücherstraße beigesetzt.

Eintritt in den Orden - Aufbruch nach Brasilien
Mit dem Eintritt 1918 und der Einkleidung 1919 begann das Leben als zukünftige Ordensschwester. Sie bekommt den Namen Aloysianis. 1920 wurde dieses Foto in Münster gemacht, es wurde auch für den am 02.06.1920 ausgestellten Reisepass genutzt.
Hintergrund: Die Ordensgemeinschaft suchte einen Arzt für das Krankenhaus in Blumenau, Brasilien. Dr. Julius Jungbluth war von der Gemeinschaft ausgewählt worden, da das dortige Krankenhaus St. Isabell dringend einen Arzt suchte. Dr. Jungbluth stellte die Bedingung, dass er nur nach Brasilien komme, wenn ihm die Kongregation eine in der Krankenpflege ausgebildete Nonne zur Verfügung stelle, die ihn in Blumenau tatkräftig unterstützen sollte. So kam man auf Schwester Aloysianis, alias Katharina Tielkes, damals eine 27jährige Novizin, ausgebildete Krankenschwester des Roten Kreuzes.
Dr. Jungbluth war Assistent des weltbekannten Professors Garré in Köln/Bonn, gleichfalls erkannte er den Bedarf an verschieden medizinischen Geräten und finanzierte die Kosten selbst. Er war es auch der das 1. Röntgengerät im Krankenhaus Santa Isabel in Blumenau einführte.
Am 14.07.1920 tritt Schwester Aloysianis die Schiffsreise von Amsterdam nach Brasilien an.

Blumenau - Brasilien
Am 20.08.1920 Ankunft in Blumenau.
Das 1. Gelübde legte Schwester Aloysianis am 05.01.1921 in Brasilien ab, das ewige Gelübde am 05.01.1925
Als Aloysianis 1920 ankam, gab es mal gerade 44 Betten.
1928 übernahm sie die Leitung und baute kontinuierlich das Krankenhaus aus.
1909 gegründet, feierte man 1959 das goldene Jubiläum.
Mittlerweile war das Krankenhaus eine Pflegestätte für mehr als 10.000 Personen im Jahr - 9135 Kranke 1352 Wöchnerinnen,
betreut von 34 Schwestern, 9 Ärzten und 120 Helferinnen und Helfern.
Überschwemmung in Blumenau 1954
Spätfolgen
1960 verfasst sie einen 3seitiges Bittschreiben bezüglich einer Kriegsrente. Sie schildert in diesem Bericht die Zeit vom 1. Weltkrieg und berichtet über Spätfolgen wie 1932 Amputation von 5 Zehen, infolge von Rheumatismus - Ursachen der im Kriege ausgestandenen Strapazen. 1935 Amputation von weiteren 5 Zehen.
Anfang 1948 verschlimmert sich die Narbe der Wunde an ihrer linken Hand, die Wunde (Knochenbruch) die sie sich während der Arbeit im Ersten Weltkrieg zugezogen hatte, erheblich.
Der damalige Arzt schickte sie in das Krankenhaus Porto Allegre. Dort wollte man den gesamten Arm samt Schultergelenk amputieren. Doch einen Tag vor der OP fuhr sie zurück zu „Ihrem“ Hospital in Blumenau.
Sie bat den dortigen Arzt Hoess inständig die OP vorzunehmen. Dr. Hoess schaffte es, dass nur der halbe Unterarm amputiert werden musste.
Weiter beschreibt sie in ihrem Bittschreiben, dass an der verbliebenen rechten Hand Daumen, Zeige- und Mittelfinger infolge rheumatischer Schmerzen (Arthritis) versteift sind und sie auf ständige Hilfe angewiesen ist.
Trotz aller Rückschläge und Leiden setzte sie ihr Wirken für „ihr“ Krankenhaus weiter fort und baute das Krankenhaus weiter aus.
Kontakt zur Heimat
Schwester Aloysianis hielt eifrig brieflichen Kontakt zur Heimat und der Familie. Die Post nahm teilweise auch Umwege, d.h. erst ging der Brief nach Bekannten in den USA und dann nach Deutschland - Briefe im Brief.
Jubiläum Hospital Santa Isabel - Ehrenbürgerschaft von Blumenau 1959
1909 wurde das Krankenhaus gegründet,
1959 beging man das 50jährige Jubiläum.
Schwester Aloysianis war viele Jahrzehnte (über 30 Jahre) Leiterin des Krankenhauses und trieb den Ausbau immer wieder voran. 
1959 wurde ihr die Ehrenbürgerschaft der Stadt Blumenau verliehen.
In einem Brief schrieb die bescheidene Ordensfrau: Ich habe nicht gerne, wenn mein Name da so oft genannt wird; …. Ich habe den Verleihungsakt in Ruhe über mich ergehen lassen und gedacht: wenn nur einmal St. Petrus mir als Ehrenbürgerin, die Himmelstür aufmacht, dann ist schon alles gut.

Ehrenbürgerin von Holtwick - Reise in die Heimat
Nach 42 Jahren kommt die Schwester erstmals wieder in die Heimat. Ihr wird die Ehrenbürgerschaft von Holtwick verliehen.
Bürgermeister Tielkes (Vetter) überreicht ihr die Auszeichnung. Gleichfalls wird eine Straße in Bocholt-Holtwick nach ihr benannt.
Rückkehr nach Blumenau
Am 01.06.1962 fliegt sie von Amsterdam nach Rio de Janeiro und überquert den Äquator. Hierfür gab es seinerzeit eine Urkunde.
Am 20.08.1970 ist Schwester Aloysianis 50 Jahre in Brasilien.
Aus einem Interview zu einem Zeitungsartikel in Brasilien: Der größte Wunsch von Schwester Aloysianis, mit „Schwarzen“ zu arbeiten erfüllte sich nicht, aber sie sagte, dass sie hier in Blumenau ihr Afrika gefunden hat.
Sie hatte wohl mal andere Pläne und wollte etwas Neues schaffen.
Am 29.04.1974 verstirbt sie und wird unter großer Anteilnahme in Blumenau beerdigt.

Verleihung eines Ehrendiploms
Posthum wird ihr am 18.10.1982 noch ein Ehrendiplom verliehen.
Anmerkung: Als Familienforscher muss man auch mal Glück haben.
Schwester Aloysianis alias Katharina Tielkes ist eine Großtante zu meiner Frau.
Es gab und gibt viele mündlicher Überlieferungen zur Schwester, wie auch zur Familiengeschichte Tielkes. Leider sind über die Jahrzehnte viele Unterlagen abhandengekommen bzw. entsorgt worden. Ich habe meine Frau seinerzeit gefragt, wer die älteste Verwandte in der Familie ist.
Nach einem Treffen mit der Person kam ich mit einem großen Stapel an Unterlagen wieder nach Hause. Der Anfang war gemachte.
Mit Hilfe einer Brasilianerin konnte Kontakt nach Blumenau aufgenommen werden und wieder kamen neue, unbekannte Unterlagen.
Eine Anfrage am Mutterhaus in Münster war leider ohne direkten Erfolg, da durch Kriegswirren sämtliche Unterlagen vernichtet wurden. Jedoch gab man die Anfrage nach Brasilien weiter und es kamen noch weitere unbekannte Unterlagen.
Es ist noch nicht alles ausgewertet und man findet immer noch neue Informationen.
Gerhard Schaffeld
Vortrag auf der 82. Jahrestagung der AG WMGEN am 26.09.2026 in Rhede


